Fanfare for DIWO

Fanfare für DIWO (Do-It-With-Others), erst zusammen hebt es ab…
Feuer und Flamme für den Ex(perimentierraum)Teppich: Erlangens Kulturreferentin Anke Steinert-Neuwirth

Der amerikanische Komponist Aaron Copland hat einmal die Fanfare for the Common Man, die Fanfare für die stinknormale Person geschrieben. Sie klingt heroisch, ein wunderbares Stück Musik, auch in der Bombast-Rock Version von Emerson Lake und Palmer.

Eine Fanfare für den normalen „Maker“

Zur offiziellen Eröffnung von ex-Teppich war heute eine Fanfare zu hören, die den Makers gewidmet war. Wenn du sie anhörst, spürst du förmlich, was passiert, wenn Menschen im ex-Teppich und an anderen eher Hierarchie-fernen Orten das tun, was sie am besten können: gemeinsam Aufgaben angehen und Probleme anpacken.
Die beiden Posaunenstimmen an sich sind meisterlich gespielt, aber nicht das Spektakulärste. Die Magie kommt aus dem Zusammenspiel und der Verschränkung dieser beiden Stimmen zu einem einzigen Klang.

Den ganzen Tag über ist immer wieder auf der Teppich-Ebene passiert, was die Musik vorgespielt hatte: Positive Vibrations entstehen, wenn eine Stimme erklingt und ein anderer Körper die Schwingungen aufnehmen und erwidern kann.
Im Vortag von Alex, vom VULCA Netzwerk war das zu spüren, doch auch in den Angeboten von Florian Seidel und Iren Schulz (Kultur meets Digital) geraten Körper in Bewegung, wenn sie mit fantasievollen Spielideen in Kontakt kommen. Ich habe Makey makey und Calliope jedenfalls auf meine Hitliste der Dinge gesetzt, die ich unbedingt mal erkunden will, wenn mir das Universum endlich die seit Jahren erbetenen großen Lese-Ferien gewährt.


Und während es bei der Welt der leuchtenden Dinge (Internet of Things) eher super konzentriert zuging (und das über einen Zeitraum von sieben Stunden, Chapeau!), zog „Basteln mit Arduino“, das eigentlich Basteln mit Richard (Scholl, vom SeniorenNetz Erlangen) hätte heissen müssen, ein unglaublich buntes Publikum an. Es war ein Fest für die Augen, LED – blinkende Gläser, Vasen und Flaschen, präzise bewegte Roboter-Greifarme aus Sperrholz dominierten den Tisch und das Gespräch bewegte sich auf allen erdenklichen Ebenen, von Finessen des Laser-Cuttens bis zur besten Einkaufsquelle für besagte Arduino (Mikroprozessoren) bis zu Code-Etikette. Ich begreife, warum Menschen in Rente Best-Agers genannt werden.

Best-Agers waren auch bei der Eröffnung der Satellite Sandbox dabei, neben ultra-agilen jungen Leuten wie Jakob Gabriel vom überparteilichen Forum Erlanger Stadtentwicklung (F.E.ST.). „Wie wächst die Stadt?“ lautet die Frage. Der Sandkasten ist ein Satellitenbild des Großparkplatzes, tausende Bausteine aus Holz und LEGO und anderen Materialien liegen bereit, eine Zeitraffer-Kamera zeichnet auf und verdichtet zum Film, was die Hände legen. Wenn man überlegt, für welche Zeiträume Architektur und Verkehrsbauten das Leben in einer Stadt prägen, dann ist ein spielerisches Warmlaufen für die geplante Bürgerbeteiligung am 27. Juli 2019, bei der es um die Vorgaben für die Wettbewerbsteilnehmer gehen wird, nicht verkehrt. Ursula Lanig und Jakob Gabriel jedenfalls gelingt das Kunststück, die Zukunftsstadt wie eine Liegeinsel aus dem Röthelheimbad erscheinen zu lassen, locker gruppiert und angenehm unter den Füßen. Auch wenn es vor Parkplätzen nur so strotzt.

Während ich das schreibe gehört der ex-teppich den e-Sportlern. E-Sports ist, wenn Menschen mit anderen Menschen irgendwo anders in nochmal andere Welten eintauchen, und dabei Zuschauer haben. Viele Zuschauer, Massen davon.

So endet der Tag. Ich stelle mir vor, wie unter dem warmen Regen Träume wachsen von riesigen Seifenblasen, von vertikalen grünen lebenden Fassaden, die neben Gemüse auch ein erträgliches Klima spenden, von einer Innenstadt voller E-Scooter und buntester Fahrräder, von einer couragierten und innovativen Architektur für die Stadt, von echten Pinselstrichen im virtuellen Raum, von all den ineinander verschränkten Gedanken und Worten, die heute in der Dreikönigstrasse ausgesprochen worden sind. Auf dem Weg, gemacht zu werden.

Tag Null

Grummelnde Wolken ziehen über die Stadt. Aus ihnen züngeln Blitze. Heute wird das Nürnberg Digital Festival eröffnet. Deswegen erklingt die „Fanfare für den Maker“ des ex-Teppich, Hommage an all die Tüftler auf der Welt und speziell an die in unserem Flecken, erst morgen um 10.55. Und um Elf öffnen dann die Türen in dieses abgeranzte Paradies der digitalen Techniken und des göttlichen DIWO (Do-It-With-Others), das cooler dasteht als jede Eventlocation in cool Berlin.

PC zum Kaffee: Yeah, DIWO kennt kein Alter

Es ist ein klassisches Soft-Opening, das der ex-Teppich heute hinlegt. Das heisst, Elektrokabel dürfen noch im Blick hängen und Kartons sind noch nicht ausgepackt, Geschirrspülmaschinen und Vertikales Grün für den Workshop morgen treffen gemeinsam mit den ersten Gästen ein. Und die ersten Gäste, das war meiner Beobachtung nach eine fünfköpfige Familie. Die natürlich wo hängen blieb? Am DreiDehDrucker. Unfassbar. Immer noch, sieben Jahre nach ICH KANN! und zwölf Jahre nach FAB von Neil Gershenfeld, ist dieses emsige Bienchen unter den Rapid Prototyping Tools das Tor ins Verzücken, Sinnbild aller nur denkbaren zukünftigen Techniken.

Noch müde von der Fahrt, morgen sicher topfit. Vertikales Grün, Stadtklimaretter.

Und so brausen draussen unsere E-Roller die Dreikönigstrasse auf und ab, erste Einstellungen des ex-Teppich Filmprojektes mit Lennart Peters, und drinnen browsen Senioren und praktizieren Learning by Doing.
Um fünf bringt Balthasar Reuter einen wunderbaren Apparat vorbei: Die Photobox. Das ist der gute alte Passbildautomat ohne Kabine, die Welt schaut zu und das soll sie auch, wenn wir unsere Gäste in den nächsten zehn Tagen bitten, sich zusammen mit ihrer Idee für einen endlosen ex-Teppich zu fotografieren.

Yeah! Zehn Tage „Denk mit den Händen“ liegen vor uns…

Es sieht ganz harmlos aus, und es passt sogar auf eine DIN A4 Seite. Hier ist das „Programm in der Nußschale“ unseres Experimentierfeldes ex-Teppich.


Die Journalistin Pascale Ferry hat uns heute die gute Frage gestellt, was das Gemeinsame, der rote Faden durch die mehr als fünfzig Angebote ist.
Ist erstmal ganz einfach: Dinge in einem urbanen digitalen Experimentierfeld sind entweder pur digital (Code schreiben, e-Sport, Virtuelle Realität testen), haben unmittelbar mit unserer Stadt zu tun (im Satellitenbild-Sandkasten bauen, E-Scooter testen, Vertikales Grün pflanzen) oder sind Experimente mit ungewissem Ausgang (Startup-Gründung, Escape-Room, Buchlektüre, Begegnung mit anderen Menschen).
Und zweifellos ist alles, was zum ex-Teppich führt und über ihn hinaus unserer (digitalen) Vernetzung zu verdanken. Doch ist das ein roter Faden?

Unser versteckter Champion für das Gemeinsame ist DIWO, der „große Bruder“ von DIY (Do-It-Yourself). DIWO bedeutet „Mach es gemeinsam“ (Do-It-With-Others), und genau darum geht es: Sich spannenden Fragen der Zeit gemeinsam zu nähern, neue Möglichkeiten checken, mit der größtmöglichen Anschaulichkeit, am besten mit den eigenen Händen. Es ist eben so: Wir Menschen verstehen das am besten, was wir mit unseren Händen tun, und wenn wir es zusammen mit anderen tun. Auch – und gerade – im digitalen Zeitalter.

Wir Menschen verstehen das am besten, was wir mit unseren Händen tun, und wenn wir es zusammen mit anderen tun.