Recycle, reuse, repair

Der Anker, die rettende Insel für die Schiffbrüchigen der geplanten Obsoleszenz: Unser lokales Erlanger Repair-Café liefert nach Plan, wie man der stolzen Liste auf dem Foto oben entnehmen kann.
Wir freuen uns, dass im Rahmen des ex-Teppich sowohl Repair Café (sogar mit von irgendjemand selbst repariertem Kuchen) als auch die Kunststoffschmiede aus Dresden demonstriert haben, wie Abfall vermieden oder zu neuen Produkten werden kann.

Spritzgussform für eine Wäscheklammer aus Polypropylen (PP)

Und die Bio-Tinkerer Malte Larsen und Johann Bauerfeind öffnen sogar Fenster in ganz neue Richtungen: Wie wäre es, wenn wir den Erdöl-basierten Kunststoff ganz beiseite liessen und Verpackungen und Umhüllungen aus natürlich wachsenden Substanzen, zum Beispiel Pilzen, herstellten?

Schachtel aus Pilz.

Zeit für Zahlen

Hello, hier spricht die Statistik. 96 Stunden war der ex-Teppich an 11 Tagen geöffnet, davon 15 Stunden exklusiv für Schulklassen. Wir hätten den Schul-Anteil (nachfrageseitig) sogar locker verdoppeln können, bis aus Bamberg erreichten uns Anfragen. Da waren unsere Ressourcen (noch) der limitierende Faktor.

Wir haben in dieser Zeit knapp über 1.000 Besucher gezählt, quer durch alle Altersstufen. Die konnten quatschen, lesen, e-Scooter testen, sich ihren Namen in MDF gravieren lassen – oder sie haben eines unserer 51 Workshop-Angebote besucht.

Dabei bauten diese Besucher etwa 25 bis 30 Rechenstäbe, DIY-EKG-Geräte, Pulsoxymeter, Videomikroskope und Feinstaubsensoren, tranken dazu 25 Füllungen von Ullis Kaffemaschine (auch zum PC), konnten zwischen Digital Design, Business-Design und Bio-Design auswählen (oder alles verbinden), oder einfach den Daphnien im Aquarium beim Leben zusehen.

Das Seniorennetz, die Jugendkunstschule, das E-Werk und der Stadtjugendring haben nachhaltig dafür gesorgt, dass die Begriffe Arduino, Mindstorms, Minecraft, Virtual Reality und Internet of Things für alle und für immer geklärt sind.
Und wir sind auch dankbar, dass wir den herrlichen Begriff „Binary exploitation“ (17. Juli, 13-19 Uhr) weiter nicht verstehen und uns als Rätsel für die Zukunft aufheben können.

Mit viel Geduld und Spucke waren wir sodann der DNA, dem Code des Lebens auf der Spur. Wir haben die DNA nicht nur für alle sichtbar gemacht, sondern auch labormäßig analysiert. Dank Uli Hirschmüller, der die Elfenbeintürme der FAU an einem offensichtlich schwachen Punkt, bei der Molekularbiologie, eingerissen hat und der in aller Freundschaft tolle Gerätschaften entleihen konnte für seinen Crime Scene Investigation (CSI) Workshop.
In Johann Bauerfeinds Bio-Design Workshop haben wir dann die DNA von Bakterien umgeschrieben, um sie zu Bio-Fabriken zu machen.
Wir sind übrigens keinesfalls zu früh dran, Microsoft nutzt DNA schon zum Speichern seiner Codes, für die Ewigkeit.

Wir hatten wunderbare Gäste, Florian Schumacher aus München hat uns seinen „smart & healthy lifestyle“ mit Gadgets zur Selbstoptimierung nahegebracht, Ruth Stadler und Wolfgang Kötter haben am Bio-Gipfel aus der Forschung berichtet, Karl E. Deckart zeigte uns den Mikrokosmos unter dem Mikroskop.

Alessandro Volpato, freier Biologe in Berlin, hat mit Julian Chollet, Malte Larsen, Johann Bauerfeind und Kat Austen DIE Top-Crew für eine Reise ins Bio-Tinkering zusammengestellt. Noch reifen die Pilze aus unbeschreiblichen Workshops in unserem Keller. Wir werden berichten, was wir beim Auspacken finden.

Zum Schluss, und nicht hoch genug zu bewerten: wir hatten KEINE Unfälle, KEINE Verletzungen, KEINE Verluste, KEINE Diebstähle. Auch die e-Scooter, manchmal als Terroristen des Trottoirs gebrandmarkt, konnten unsere glückliche Bilanz nicht um eine Nuance trüben.

Einzig das große ex-Teppich Banner an der Fassade des ex-Landratsamtes am Marktplatz bleibt zu beobachten: In zehn bis fünfzehn Jahren könnten sich die Gummischlaufen zur Befestigung durch die Einwirkung von UV-Strahlung zersetzt haben, und bei einem Windstoß …

… aber bis dahin wollen wir ja schon viele Schritte weiter sein und einen täglich geöffneten DIWO (Do-It-With-Others) – Shop in der Stadt am Start haben. Bleibt auf Sendung…

Wie lernt der Teppich fliegen?

Wir haben uns sehr gefreut, dass unser Unterstützertreffen am Ende des Festivals gut besucht war. Unser Projekt schwamm auf einer Welle der Sympathie, das wurde spätestens deutlich, als Anne Reimann die Anwesenden aufforderte, sich kurz persönlich vorzustellen. Ohne eine persönliche Liebeserklärung an den Experimentierraum ex-Teppich ging es selten ab, und eigentlich hatten wir uns das so auch erträumt, doch nicht unbedingt erwartet.

Diese Herren willst du im Boot haben: Erlangens OB Florian Janik und Festival-Fuchs Bodo Birk

Mit den gesammelten Ideen von sechs bunten Arbeitstischen an Bord bewegen wir uns nun in den Sommer. Jeder und jede kann einen individuelllen Mix aus den Kernen Technologie, Know-How-Transfer, Chillen und Kaffeetrinken, Cutting-Edge, Basteln, Reparieren, Medienkönnen, Spiel und Unternehmen herstellen und reifen lassen, bis wir uns dann in ein paar Wochen für den ersten Aufschlag unserer Herbstkampagne treffen.

Er sehe die Voraussetzungen dafür gegeben, dass für jeden EURO, den Dritte dem Projekt geben, die Stadt einen EURO drauflegt, sagt OB Florian Janik. Kurz und knapp – das ist die beste Botschaft des Abends.

Is grow the new make? Werden wir bald alles wachsen lassen können? Wo kann und soll die Bio-Forschung hin?

Ist Bio das neue Digital? Ja, wir stehen am Anfang einer großen Umwälzung, bei der die Produktivität lebendiger Strukturen eine große Rolle spielt. Der Bio-Design Workshop von Johann Bauerfeind hat uns das eindrucksvoll gezeigt.

Links Johann Bauerfeind. In der Mitte der Projektion eine Coli-Zelle, und darum herum, dargestellt als LEGO-Bausteine, die Bio-Bricks, die kunstvoll in sie hineingebrcht werden können.

Aber nicht jeder von uns wird einen Apparat in der Tasche haben, der unkompliziert synthetisieren und wachsen lässt, was man so braucht.
Es gibt viel Hype, und Marketing rund um die neuen Technologien, mit denen an der DNA von Bakterien, Pflanzen und auch von Lebewesen gearbeitet werden kann.

CRISPR-Cas und andere Methoden der synthetischen Biologie werden noch auf absehbare Zeit zum Reparieren verwendet werden. Das Neu-Gestalten von Organismen ist Zukunftsmusik.
Wir können das „Buch des Lebens“ heute immerhin sehen. Und damit die Größe der Aufgabe erkennen. Es ist nicht nur dick, es ist auch mit einem fremden Alphabet und in einer vollkommen unbekannten Sprache geschrieben.

Drei Faktoren könnten unser Verständnis beschleunigen:

  • KI (künstliche Intelligenz)
  • offene Wissenschaft, also frei zugängliche und frei nutzbare Ergebnisse von Forschung
  • die Kommunikation in Teams und kleinen Gruppen

Das Podium, 20. Juli 2019, 19-21.00 Uhr

Auf dem Podium, von rechts nach links: Alessandro Volpato, Johann Bauerfeind, Ruth Stadler, Rudolf Kötter, Julian Chollet, Moderator Ulrich Hirschmüller. Abgewandt: Malte Larsen

Hier in der Nußschale die Ideen für eine bessere Wissenschaft aus unserer Gesprächsrunde (bestehend aus Ruth Stadler, Pflanzenphysiologie, FAU; Rudolf Kötter, Philosophie, FAU; Johann Bauerfeind, freier Forscher und Unternehmer; Malte Larsen, freier Forscher; Alessandro Volpato, freier Forscher; Julian Chollet, freier Forscher):

  • Eine Inter-Zone, in der sich Bürger und Wissenschaftler treffen und miteinander ins Gespräch kommen können.
  • Öffnung der Uni in Richtung eines interessierten Publikums.
  • Open Labs für Interessierte, direkt an die Uni angebunden, in denen gearbeitet werden kann.
  • Eine Börse für Wissenstransfer zwischen ernsthaften Laien-Forschern und Forschern an der Uni.
  • Bessere Personalführung an Forschungseinheiten, um Teamgeist und Kommunikation zu fördern und Konkurrenzverhalten zu begrenzen.
  • Alle Mauern einreissen
  • Die allgemein verständliche Kommunikation der Ziele, Wege und Ergebnisse wissenchaftlicher Forschung ist bislang nicht Teil der Wissenschaftsförderung. Das wird oft aus Kulturetats bestritten. Damit entsteht auch keine Kompetenz in der Wissenschaft, sich selbst zu erklären.

    Die freie Forschung, Biohackers, exTeppiche der Welt zeigen, dass es möglich ist, die Wissenschaftlerin zu treffen, und mit oftmals vereinfachten Versionen echter Testaufbauten und DIY-Laborgeräten zu erleben, wie Bio-Forschung wirklich geht, und um was es den Forschern geht.

Satellite Sandbox: wie die Stadt wächst, #2

Unten: ein neuer Zeitraffer-Städtebau-Film aus dem Satelliten-Sandkasten. Beachtet, wie am Anfang ganz lange still ist bis am Ende plötzlich an allen Ecken gebaut wird.

Und hier gleich noch ein echtes Schmankerl: Am Tag der Eröffnung der Satellite Sandbox hat das Forum Erlanger Stadtentwicklung (F.E.ST.) zunächst über die bekannten Planungsvorbagen berichtet, und dann… dann wurde mit allen Mitteln losgebaut.

Eine schnelle Skizze der zukünftigen Stadt im Westen des Zentrums.
Klar, das sind Bausteine, und die Proportionen stimmen hinten und vorne nicht. Die Gespräche rund um den Sandkasten dienen aber dem Anliegen, größere Kreise für die Form der zukünftigen Stadt zu interessieren.

Wenn es Filterblasen gibt, automatische Rückkopplungen der eigenen Ansichten, eine von Algorithmen generierte Erblindung – gibt es eine Chance zu entkommen?

Mitten im Digitalfestival, und mitten im ex-Teppich ziehen wir eine auf den ersten Blick rückständige Kulturtechnik (das Lesen) und ein scheinbar überkommenes Medium (das Buch) groß auf. Jede(r) von uns spricht dabei über das Buch, das wir gerade lesen.
Die zunächst kleine Gruppe erweitert sich unkontrolliert, weil alle, die vorbeikommen und uns auf den superbequemen Sofas sitzen und quatschen sehen, unwiderstehlich angezogen werden.

Folgende Bücher solltet ihr lesen, um eures gesunden Menschenverstandes willen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und weil es ein Vergnügen ist:

Nicht im Bild: Hamlet (von William Shakespeare).

Webcam > 400fach Videomikroskop

Seit ich auf der Weltausstelllung in Mailand 2015 im Deutschen Pavillon Carl Zeiss Präzisionsmikroskope gesehen hatte, die gar nicht angeschlossen waren und die den Besuchern, die durch sie blickten, folglich auch nichts zeigten; und seit ich gesehen hatte, dass diese Menschen den Fehler erstmal bei sich selbst suchten, in irgendeiner falschen Betrachtungweise oder falschen Handhabung, war klar, dass es eines Tages diesen Workshop geben musste.

Der Vorteil eines Videomikroskopes liegt darin, dass das Bild am Schirm erscheint. Kein Thema mit Dioptrien, Brillen, die im Weg sind undsoweiter.
Wir haben heute mit sehr viel Spass und DIWO (Do-It-With-Others) Webcams gehackt, sie zu Videomikroskopen mit etwa 400facher Vergrößerung gemacht. Das ist ziemlich viel, gängige Schulmikroskope haben 40 – 200 fache Vergrößerung. Der Einsatz lag bei 9 EUR pro Mikroskop fürs Material, das ist ziemlich wenig.

Alle happy, mehr davon! Lasst uns Geräte bauen und Methoden finden, die bei geringstem Aufwand den besten Nutzen liefern, und bei deren Herstellung wir uns so wunderbar unterhalten.

172.16.16.11

Es war einmal eine wunderschöne blau und weiß gesprenkelte Orchidee. Die stand an einem geheimen Ort, an dem es niemals regnete, und oft war sie des Abends durstig und sehnte sich nach einem Quell reinen Wassers, von dem sie sich laben konnte. Weil sie so einsam und verlassen war, wurde sie traurig und sprach: Ach gäbe es doch ein Band, das mich verbindet mit dem Fliessen und Wogen der Welt. Aber es wollte kein Königssohn sich aufmachen, kein Müllersbursch sein Bündel schnüren und kein Butt den Amazonas hinaufschwimmen um die Orchidee zu tränken. Denn wo sollte sie zu finden sein?

Einem jungen Maker aber erschien der Ort im Traum, und er nahm, was ihm zu Füßen lag, und rastete nicht eher, als bis er eine Wasserpumpe, ein Stück biegsamen Schlauches, einen Mikroprozessor und einen Weg ins Internet gefunden und zusammengefügt hatte mit seinen kundigen Händen.

Doch das Werk wollte ihm nicht recht gelingen, die Pumpe tränkte was immer sich ihr darbot, ohne Unterscheidung, denn sie wusste nicht anders und hielt sich an ihr Gebot.
Als der Schaden überhand nahm, Ländereinen unter Wasser standen, im ganzen Königreich die Tiere und Menschen ertranken, und der Nutzen sich nicht einstellen wollte, erschien dem Maker im Traum die Orchidee und flüsterte ihm zu: „172.16.16.11.“
Tags darauf fügte er sie in seine Gerätschaft ein und fiel darauf in einen tiefen erholsamen Schlaf.

Die Orchidee aber empfing von diesem Moment an jedesmal, so die Zahl 172.16.16.11. eingegeben ward im Umkreis des ex-Teppich einen lieblichen Schwall erquickenden Wassers. Die drei Könige aber, in deren Reich der ex-Teppich jeweils zu einem Drittel lag, erfreuten sich an der Blüte so sehr, dass sie ihre hübschesten Töchter an Nerds verheirateten und all ihre Reichtümer in das Internet of Things investierten.

So leben sie alle heute noch glücklich, wenn sie nicht gestorben sind.

Satellite Sandbox, der Satellitensandkasten im ex-Teppich

Ein brandneues Instrument zur kreativen Beschäftigung mit dem Gesicht der Stadt:

Der Satelliten-Sandkasten besteht aus einem Satellitenbild des Planungsgebietes (= der Großparkplatz, im Westen unmittelbar an die Innenstadt angrenzend; Maßstab 1:100), Bausteinen im Modul 1 x 3 x 15, LEGO, Spielfiguren etc.

Eine Actioncam ist darüber fest montiert und nimmt alle zehn Sekunden ein Bild auf.

Denken mit den Händen pur.

15:22 h, am Samstag, cooler Trailer

Etwas mehr als vier Stunden nach dem Fanfaren-Auftakt ist dieses große Hollywood-Kino über den ex-Teppich veröffentlicht und läuft.
Hinter der Kamera, am Schneidetisch, am Dirigentenpult und in der Regie: Alles Marlene Neumann, aus den StaBi-Studios.
Das sind die Momente, an denen du spürst, welche Hebel hinter digitaler Produktion stecken. Und siehst, wie cool sie bedient werden können.